DW 18.4.1922: Erste Esperanto-Konferenz

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Prag, im Sommer 1921. Es herrscht Aufbruchstimmung bei den 3.000 Teilnehmern des “Universala Kongreso” – des Esperanto-Weltkongresses. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs erlebt die Sprachbewegung einen Boom: Tausende Menschen strömen in Esperanto-Kurse, zahlreiche Schulen setzen die Sprache auf den Lehrplan. Esperanto, so heißt es, sei leichter zu erlernen als andere Sprachen – nur 16 Regeln müsse man beachten, Ausnahmen gebe es nicht.

Die plötzliche Popularität verdankt die 1887 geschaffene Welthilfssprache jedoch der pazifistischen Botschaft, die auf den Autor Ludwig Zamenhof zurückgeht: Frieden zwischen den Völkern sei möglich, wenn sich die Menschen nur problemlos verständigen könnten. Deshalb die Forderung, Esperanto müsse überall auf der Welt als Schulfach eingeführt werden.

Esperanto vor dem Völkerbund

Die Zeit scheint günstig: Nach Kriegsende ist in Genf der Völkerbund gegründet worden – für die Esperantisten ein Hoffnungsträger. Doch im Völkerbund ist man eher skeptisch. Im September 1920 wird auf der Vollversammlung des Völkerbundes erstmals über Esperanto debattiert. Zur Abstimmung steht der Vorschlag, Esperanto weltweit als Schulfach einzuführen. Doch der Vorstoß scheitert kläglich, vor allem am Veto Frankreichs.

Aber die Anhänger des Esperanto geben nicht auf. Erster Erfolg ihrer Bemühungen: Der damalige stellvertretende Generalsekretär des Völkerbundes, der Japaner Inazo Nitobe, besucht den Esperanto-Weltkongress in Prag: “Ich war beeindruckt: einige Redner hoben zu wahren oratorischen Höhenflügen an. Mit Esperanto kann man offensichtlich Gedanken und Gefühle aller Art ausdrücken.”

Esperanto – Neue Sprache der Diplomatie?

Nitobes Bericht ist es zu verdanken, dass sich der Völkerbund ein zweites Mal mit dem Thema Esperanto beschäftigt. Diesmal ein Teilerfolg: In Genf wird eine Konferenz anberaumt, die die bisherigen Erfahrungen mit dem Schulfach Esperanto prüfen soll. Diese erste internationale Konferenz zum Thema Esperanto beginnt am 18. April 1922. Angereist sind Schul- und Regierungsvertreter aus 28 Ländern.

Das Fazit ist positiv. Die einmütige Empfehlung der Genfer Konferenz lautet: Esperanto soll weltweit als erste Fremdsprache an den Grundschulen unterrichtet werden. Dieser Vorschlag kommt ein drittes Mal auf die Tagesordnung des Völkerbundes. Wiederum scheitert ein endgültiger Beschluss an der starren Haltung Frankreichs.

Das Thema Esperanto wird an die Kommission für geistige Zusammenarbeit übergeben. Die beschließt ein Jahr später, sich nicht weiter damit zu befassen, denn – so die Begründung – man solle doch lieber das Studium lebender Sprachen fördern. Die Enttäuschung der Esperantisten ist groß. Dennoch: Der Traum, dass Esperanto irgendwann einmal Sprache der Diplomatie werden könne, ist geblieben.

Autor: Klaus Dahmann

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